Zum 11. Mal fand dieses Jahr die dmexco in Köln statt, zum ersten Mal waren wir als Aussteller am BVDW-Gemeinschaftsstand dabei. Unser Fazit zur Messe lest ihr hier.

Unter dem Motto „Trust in you“ rief die Messe zum jährlichen Klassentreffen der Branche. Schon kurz nach dem Einlass am 1. Messetag wurde uns klar: Manche Dinge ändern sich nie. Bereits nach kurzer Zeit waren die Hallen und die Gänge überfüllt. Klar, bei 40.000 Besuchern kein Wunder. Auch die Geräuschkulisse war entsprechend laut und anstrengend. Ein Gespräch an manchem hoch frequentierten Messestand nur schwer möglich. Dass sich dies gegen Ende des 1. Tages nicht verbesserte, als bei den üblichen Standpartys das ein oder andere alkoholische Getränk ausgeschenkt wurde, muss ich wohl nicht extra erwähnen. Man könnte den Eindruck bekommen, die dmexco wäre einfach nur laut, überfüllt und abgehoben. Die Branche feiert sich selbst, das Event wird zum Show & Shine.

Wo sind die Innovationen geblieben?

Mein persönliches Ziel für die dmexco war es, nach meiner Elternzeit-Auszeit, frische Inspirationen und neue Ansätze zu finden. Was bewegt aktuell die Branche? Welche Trends gibt es und wie kann ich vielleicht neue Tools für meine tägliche Arbeit einsetzen, um besser und effizienter zu arbeiten? Leider wurde ich diesbezüglich enttäuscht. Wirkliche und für mich relevante Innovationen konnte ich nicht entdecken. Stattdessen dominierten Themen, die wir schon seit Jahren auf der Agenda hatten. Allen voran das Kontextuelle Targeting. Bereits 2017 war Künstliche Intelligenz im Online Advertising DAS Thema der dmexco, seitdem hat sich gefühlt jedoch nicht viel getan. Ging man durch die Hallen, sah man an den Ständen oft Schlagwörter wie Künstliche Intelligenz, Targeting ohne Cookies, Deep Learning…

Beschäftigte man sich etwas genauer mit den Ausstellern, konnte der Eindruck entstehen, dass die Anbieter nur versuchen, auf die aktuelle Hype-Welle aufzuspringen und dennoch über vermeintliche Cookie-Alternativen wie Fingerprinting versuchen, die DSGVO irgendwie zu umgehen. Hörte man dann noch bei den Gesprächen etwas genauer hin, hieß es überall nur noch „Data, Data, Data“. „Trust in you“ und Trust in die Branche sieht für mich ganz anders aus.

Auch wenn ich durchs Netz surfe und auf Websites von einem sehr großen deutschen Medienkonzern nicht mal Cookie-Banner sehe, die mich auf die Verwendung von Cookies und die Verarbeitung meiner personenbezogenen Daten hinweisen, wird mir schlecht. Wie soll der Nutzer da noch der Digitalbranche vertrauen? Während meines Messerundganges stellte ich mir auch des Öfteren die Frage, inwiefern sich die Branche noch selbst vertraut bzw. an die dmexco glaubt. Es war schon auffällig, wie großzügig in diesem Jahr teilweise Freiräume zwischen den Ständen bzw. Ruhezonen am Rande der Hallen ausfielen. Offizielle Zahlen zu Ausstellern seitens der Messe liegen uns zurzeit auch noch nicht vor, um dies genauer zu untersuchen.

Wie digital ist die Digitalmesse?

Bei der Eröffnung der dmexco sagte der Chief Advisor Dr. Dominik Matyka: “Unsere Branche benötigt das Vertrauen der Gesellschaft, dass die Digitalisierung den Menschen Vorteile bringt. Die Unternehmen sind in der Pflicht, diesen Nachweis zu erbringen.” Leider scheint die dmexco selbst nicht mal an die Vorteile der Digitalisierung zu glauben. Die vielgepriesene dmexco App und das Online-Ticket sind dafür ein gutes Beispiel. Zunächst musste ich einen umfangreichen Registrierungsprozess durchlaufen, bei dem ich in Sachen Datensparsamkeit nur lachen konnte (Warum ist es z. B. eine Pflichtangabe, aus welchem Grund ich die dmexco besuche, welche Themen mich besonders interessieren, welches Entscheidungslevel ich im Unternehmen inne habe etc.). Dann hatte ich mein Ticket endlich in der App. Am Eingang zur Messehalle dann der Witz schlechthin: Ich scanne das Online-Ticket. Was passiert? Ich erhalte, wie die Jahre zuvor, ein ausgedrucktes Ticket, das ich mir umhängen darf. Dieses – nun ausgedruckte – Online-Ticket enthält wiederum einen QR-Code, den ich mit der App scannen kann, wenn ich mich mit anderen Teilnehmern vernetzen möchte. Nutze ich fälschlicherweise nicht den vorgesehenen Scanner der dmexco App, sondern eine Standard-Anwendung meines Smartphones, lande ich auf einer dubiosen rumänischen Website. Trust in You – na das war’s wohl eher nicht.

Was ist eigentlich KI?

Dennoch gab es selbstverständlich Lichtblicke am Horizont. Die dmexco ist und bleibt das Event, um in kurzer Zeit sehr viele Gespräche mit Kontakten zu führen, für die man sonst tagelang durch ganz Deutschland fahren müsste. Gerade durch unseren Stand in der BVDW Digital Lounge konnten wir sehr gut netzwerken. Auch bei den Vorträgen und Seminaren gab es durchaus spannende Insights. Ein Zitat, was in mehreren Sessions aufkam und mich durchaus zum Schmunzeln brachte, lautete „So lange es neu ist und keiner weiß, wie es funktioniert, nennen es alle KI. Wenn es dann alle nutzen, ist es Software.“ Ich denke, das beschreibt die aktuelle Lage in der Branche sehr gut. Kaum einer weiß, was wirklich hinter KI steckt und in welchen Anwendungen tatsächlich auch KI drin ist. Hier ist noch viel Aufklärungsarbeit notwendig. Dieser Aufgabe werden wir uns durch unsere Arbeit im BVDW in der Fokusgruppe Content Marketing bzw. der Arbeitsgruppe KI und Automatisierung annehmen. Doch dazu später mehr.

Daniela Kloth

Als Management Asisstant verantwortet Daniela hauptsächlich mit die konsequente Ausrichtung der semcona GmbH. Im Blog wird sie ihr umfangreiches Know-how im Onlinemarketing mit uns teilen.

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