Eine neue Social Media App klettert auf die Spitze der Charts in den App Stores. Doch was ist TikTok und warum schlagen Datenschützer Alarm? Das erkläre ich euch im folgenden Artikel.

Was ist TikTok?

TikTok ist ursprünglich ein Videoportal zur Lippensynchronisation und der Nachfolger der App Musical.ly. Die beiden Apps wurden im August 2018 zusammengelegt. Im chinesischen Raum ist die Plattform auch unter dem Namen Douyin bekannt. In Deutschland ist die App für Android und iOS erhältlich. Eine Nutzung via Desktop ist leider nicht möglich.

Wie funktioniert TikTok?

Mit der App TikTok können Nutzer kurze Videoclips aufzeichnen und diese mit Musik, sowie speziellen Effekten und Filtern bearbeiten. Die Clips können dabei von 15 Sekunden bis zu einer Minute lang sein. Durch die zahlreichen Bearbeitungsmöglichkeiten der Musikvideos entstehen so ganz individuelle Kunstwerke. Andere TikToker können die Videos liken oder einen Kommentar hinterlassen. Zudem können die Kurzclips auch auf anderen Social Media Plattformen geteilt werden. Das größte Ziel aller neuen TikToker ist es auf die „Für Dich“ Seite zu kommen. Die „Für Dich“ Seite ist eine Zusammenstellung von Videos, die durch eine Künstliche Intelligenz auf die Interessen des Nutzers generiert wird. Die Künstliche Intelligenz orientiert sich dabei an die zuvor vergebenen Likes auf andere Videoclips.

Die Besonderheiten der TikTok-Clips

Bei den Videos handelt es sich meist nicht um einfache Videoclips. Die Möglichkeiten zur Erstellung in der App sind vielfältig:

  • Lip Sync: Die wohl bekannteste Funktion, welche noch auf dem Vorgänger Musical.ly basiert, ist das sogenannte Lipsyncen. Dabei singen Jugendliche ihren Lieblingssong nach. Aber auch bekannte Filmausschnitte oder Comedy-Auftritte können so mit den Lippen nachgesprochen werden.
  • Filter: Ähnlich wie bei den Konkurrenten Instagram und Snapchat können den Aufnahmen Filter oder virtuelle Objekte hinzugefügt werden.
  • Duet/Reaction: Mit dieser Funktion können User auf ein Video reagieren und es Bild in Bild nachahmen oder auch mit Mimik und Gestik kommentieren.
  • Challenges: Sehr beliebt sind auch bestimmte Challenges, die schnell zum Trend werden. Aktuell sind besonders Tanzchallenges hoch im Kommen wie die #thegitupchallenge.

Wer nutzt die App?

TikTok ist besonders bei Jugendlichen sehr beliebt. Die App verzeichnet weltweit über 500 Millionen Nutzer und auch in Deutschland hat die Video-App schon Millionen Downloads generiert. Besonders bei der jungen Zielgruppe werden so Soziale Netzwerke wie Instagram oder YouTube von den vorderen Plätzen verdrängt. Das prominenteste Beispiel der deutschen TikTok-Szene sind die Zwillinge Lisa & Lena, welche ihre Karriere bei dem Vorgänger Musical.ly begannen.

Der Datenschutz in der App

So schön sich die Zahlen auch anhören, gibt es leider beim Thema Datenschutz einige Kritikpunkte, die Datenschützer die Haare im Nacken sträuben lassen. Legt sich der Benutzer ein Konto an, so ist dieses Konto öffentlich und die eigenen Videos für jeden ersichtlich. Um dies zu vermeiden, sollte die Privatsphäre-Einstellungen als erstes überprüft werden und das Konto auf „privat“ gestellt werden. Laut den AGBs der TikTok-App darf die Video-Plattform erst ab 13 Jahren genutzt werden. Bei jungen Nutzern unter 18 Jahren ist die Einverständniserklärung der Eltern notwendig. In der Realität wird dies jedoch nicht überprüft, sodass auch Kinder den Dienst auf ihrem Smartphone nutzen können.

Ein weiterer Kritikpunkt ist das Mitlesen von Daten. So soll die App beispielsweise den Aufenthaltsort sowie die Telefonkontakte weitergeben. Was mit diesen Daten passiert, ist unbekannt. Zudem behält sich die chinesische App vor, die kurzen Clips der Nutzer auf anderen Plattformen zu spielen und somit Nutzer-Inhalte für die eigene Werbung zu verwenden.

Musik ist urheberrechtlich geschützt

Viele TikToker wissen nicht, dass ihre erstellten Videos nicht nur ihre Werke sind. Durch die Songs, welche extra für die Video-Plattform lizensiert sind, dürfen die kurzen Videos nur auf TikTok verwendet werden. Werden die Inhalte der App in anderen Social Media Diensten weiterverbreitet, drohen Abmahnungen. Zudem muss das Recht am eigenen Bild beachtet werden. Dies gilt besonders wenn andere Personen im Video zu sehen sind.

Achtung bei Direktnachrichten

Sollte das TikTok-Profil öffentlich sein, hat jeder die Möglichkeit dich zu kontaktieren. Neben positiven Nachrichten und Kommentaren können auch gefährliche Kontaktanfragen kommen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich auch Erwachsene mit schlechten Absichten in dem Netzwerk tummeln. Gerade Kinder sind dann der Gefahr ausgesetzt, zu viele private Daten von sich preiszugeben. Dies kann z.B. der Wohnort sein aber auch die Schule, auf die sie gehen. Aber auch freizügige Videos sind ein Problem sein.

Mobbing bei TikTok

Ein weiter negativer Aspekt ist das mögliche Mobbing. Besonders Kinder sind auf der Suche nach Anerkennung und Zuneigung. Durch das Sammeln von Likes bekommen sie dies auch, jedoch kann es auch nach hinten losgehen. Nämlich dann, wenn das Kind zur Zielscheibe von Mitschülern wird. Die seelischen Folgen sind nicht zu unterschätzen!

Das Vorbild mit Geldgeschenken unterstützen

Je nachdem wie die Smartphone Einstellungen konfiguriert sind, ist es auch ein leichtes In-App-Käufe durchzuführen. Diese Käufe können weit über die 100€ Marke getätigt werden. Mit den Käufen können Idole in Form von Coins unterstützt werden aber auch spezielle Effekte lassen sich damit freischalten.

Fazit: Eine neue Selbstinszenierungsapp mit Datenschutzlücken

Die Tik Tok-App ist eine lustige Alternative zu Instagram und Snapchat. Mit Millionen von Mitgliedern wird sie uns auch noch in Zukunft begleiten. Deshalb sollten besonders Eltern genauer hinzuschauen, wie sich ihre Jüngsten in der App darstellen. Denn nirgends ist es im Moment einfacher Likes und somit digitale Zuneigung zu bekommen. Zudem sollten zu Beginn der Nutzung unbedingt die Privatsphäre-Einstellungen überprüft werden. Ein privates Konto sollte ein Muss sein!

 

Luisa Speer

Als Head of Content ist Luisa für die Koordination und Umsetzung verschiedenster Redaktionsprojekte zuständig. Im Blog wird sie ihr Know-how demzufolge intensiv zu Content-Themen einbringen.

mehr erfahren ...

Das könnte auch interessant sein...