Google stellt schon länger verstärkt den Nutzer in den Mittelpunkt aller Optimierungsmaßnahmen. Daher ist das für 2021 geplante Update keine Überraschung, sondern logische Konsequenz. Lest hier alles Wichtige zum Page Experience Update.

Was ist die Page Experience?

Die Page Experience oder auch User Experience beschreibt die Erfahrung, die ein Nutzer beim Besuchen eurer Seite macht. Da es bei Emotionen und Eindrücken um schwer messbare Variablen handelt, hat Google diese in Kennzahlen umgewandelt und damit messbar gemacht. Im Kern geht es um die Konsistenz und Stabilität der Website-Elemente sowie um die Geschwindigkeit.

Was genau misst Google bei der Page Experience?

Kernstück der Bemessung der Nutzererfahrung beim Besuch einer Website bilden die im Mai 2020 vorgestellten Core Web Vitals. Wie der Name schon sagt, geht es dabei um die „Vitalwerte“ einer Website, also Puls, Atmung und Blutdruck.

  • Puls = Largest Contentful Paint (LCP)
    • Zeit, die der Hauptinhalt einer Seite braucht, um gerendert, also dem Nutzer angezeigt, zu werden
    • Vitalwert ideal: bis 2,5 Sekunden
  • Atmung = First Input Delay (FIT)
    • Zeit, die zwischen einer Interaktion des Nutzers und der sichtbaren Reaktion der Website im Browser vergeht
    • Vitalwert ideal: bis 100 Millisekunden
  • Blutdruck = Cumlative Layout Shift (CLS)
    • Bemisst die visuelle Stabilität der Inhaltselemente bei Interaktionen des Nutzers mit der Seite
    • Vitalwert ideal: bis 0.1

Grob übersetzt bedeuten diese Kennzahlen, dass die Inhaltsseite so schnell wie möglich laden muss – und zwar mobil. Dass die Seite auf jedem Klick des Nutzers sofort reagieren und alle Elemente dabei keine spontanen und überraschenden Veränderungen erfahren. Hier sind insbesondere Positions- und Größenveränderungen gemeint oder auch Farb- und Schriftveränderungen nach dem Klick. Das Pixel darf nicht hin und her springen, wie man im Design so schön sagt.

Warum ist die Page Experience so wichtig für den Nutzer und für Google?

In den 90er und frühen 2000er Jahren war SEO noch das Wettrennen um die meisten und besten Keywords. Da ging es um nichts anderes. Ob sich der Nutzer auf der Seite zurechtfand, ob die Informationen gut aufbereitet und relevant waren, ob die Seite schnell und logisch aufgebaut war – all das spielt keine oder kaum eine Rolle.

Sogenanntes „Black Hat SEO“ war gang und gäbe. Die SEOs kauften sich Backlinks bei obskuren Linkfarmen. Auf der Seite wurden versteckte Keywords in Masse untergebracht, unsichtbar für den Nutzer und nur für den Crawler gedacht. Die Texte glichen mehr einer Keyword-Wüste, denn sinnvollem Content. Relevanz und Context waren Fremdwörter. Mobil ging sowieso noch nichts. Der Kampf SEOs gegen Google war in vollem Gange, es herrschte Kalter Krieg in den SERPs.

Das hat sich mit unzähligen Core Updates der Google Algorithmen dramatisch verändert. Das ist gut so. Denn spätestens seit dem Hummingbird Update wurden die Rankingfaktoren, nach denen Google eine Seite bewertet, immer mehr auf den Nutzer ausgerichtet. Der Nutzer ist die entscheidende Variable in der SEO-Gleichung.

  • Was will er?
  • Was erwartet er?
  • Was meint er?
  • Und ja, auch was sucht er?

Wobei die reine Suche in Form der Eingabe eines Suchbegriffes nur ein Teil der Gleichung ist. Google beobachtet das Suchverhalten des Nutzers und in zunehmendem Maße sein Verhalten im Netz sowie auf besuchten Websites. So versucht Google immer bessere Vorhersagen zu treffen, welche Inhalte für den Nutzer von Interesse sein könnten.

Was hat diese Entwicklung nun mit uns Webseiten-Betreibern zu tun? Ganz einfach: Alles!

Von Mobilegeddon zu den Core Web Vitals?

Die Produkte unserer täglichen Content- und SEO-Arbeit sind das, was Google dem Nutzer präsentiert. Sei es organisch in den Suchergebnissen, über die Google Ads, als stationäre, mobile oder AMP-Version. Die Inhalte, die wir produzieren, werden nach den Ranking-Faktoren bewertet, gewichtet, verglichen und ausgespielt. Jedes Update der Algorithmen verändert die Faktoren, nach denen Google bewertet. Jeder neuer Rankingfaktor bestimmt die Art und Weise, wie Unternehmen ihre Websites optimieren müssen.

Dabei stellt Google uns eine Vielzahl an Tools und Hilfsmittel zur Verfügung, um selbst zu prüfen und zu optimieren.

  • Google Search Console – Kommunikationstool mit der Suchmaschine
    • bietet Überblick über die Leistung der Website in der Google Suche (Impressionen, Klicks, CTR, Position)
    • zeigt Schwachstellen und Problemfälle auf
    • beinhaltet die Kenndaten zu den Core Web Vitals
  • PageSpeed Insights – Tool zur Performance Messung
    • zeigt alle wichtigen Messwerte zur Performance und Ladezeit einer Website
    • bietet Hilfestellung bei der Optimierung dieser Werte
    • erlaubt eine schnelle und einfache Performance-Messung
  • Google Lighthouse – Zugang über die Google Chrome Dev Tools (F12)
    • schneller Zugang zu Performance-Werten einer Website
    • Pendant zu PageSpeed Insights
    • erlaubt tiefere Analyse einer Website

Im Übrigen kann ich nur empfehlen, sich bei der Messung der Ladezeit nicht nur auf die PageSpeed Insights zu verlassen. Google Entwicklern bedienen sich beispielsweise auch der Performance-Messung via Dynatrace. Hier kann ich das Tool Webpagetest.org empfehlen, mit dem man viel tiefere und detailliertere Messungen vornehmen kann.

Wie hoch ist der Stellenwert der User Experience unter all den anderen Rankingfaktoren?

Wie immer bei Google weiß niemand außer Google, wie hoch die Core Web Vitals im Verhältnis zu allen anderen Rankingfaktoren gewichtet werden. Aber eines sollte jedem Unternehmen bei der eignen Website bewusst sein:

Ihr seid nicht allein da draußen. Um euch herum warten Wettbewerb, Konkurrenten und Partner nur darauf, euren Platz in den TOP10 der Google Rankings einzunehmen. Seid ihr nicht auf Seite 1, seid ihr nicht existent.

Daher ist es eure Pflicht, eure Inhalte auf den Nutzer kompromisslos auszurichten und ihm die verdammt beste Zeit auf eurer Seite zu bieten. User Experience ist keine KANN, sondern ein MUSS.

Also nutzt die Zeit, um eure Website technisch, strukturell und inhaltlich auf den Nutzer auszurichten.

Jan Pötzscher

Jan ist als Chief Marketing Officer für unseren Außenauftritt, aber auch für alle Kundenprojekte verantwortlich. Dort bringt er seine lange Erfahrung als SEO Experte mit ein. Damit er alle Bälle in der Luft halten kann, verbringt er seine Mittagspausen meist im Fitti.

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