Spätestens seitdem Fake News 2016 für den Wahlsieg Donald Trumps verantwortlich gemacht wurden, ist der Begriff Fake News in aller Munde. Doch was sind Fake News? Und wie kannst du sie enttarnen?

Was sind Fake News?

Fake News und Verschwörungstheorien sind nicht erst seit der Corona-Krise ein Problem.

Während des Präsidentschaftswahlkampfes 2016 in den USA lösten einige Nachrichten ungläubiges Staunen aus: Beispielsweise der Papst unterstütze die Kandidatur Donald Trumps. Hillary Clinton führe einen Kinderpornoring, getarnt als Pizzeria. Auch im Bundestagswahlkampf 2017 gab es brisante Meldungen: Angela Merkel habe mit einem islamistischen Attentäter auf einem Selfie posiert und der Vater von Martin Schulz sei ein KZ-Aufseher gewesen. „Fake News“ wurden solche Nachrichten bald genannt, falsche Informationen im Gewand echter Nachrichten.

Auch die US-Präsidentschaftswahlen 2020 sind durch eine massive Desinformationskampagne überschattet worden. Amtsinhaber Trump attackierte mit unbelegten Behauptungen die Abstimmung und ernannte sich selbst zum Sieger der Wahlen. Erst als dessen Niederlage klar war, distanzierten sich die Mitstreiter.

Fake News sind gezielte Falschmeldungen. Das bedeutet, dass eine Lüge mit Absicht in die Welt gesetzt wird. Fake News sehen auf den ersten Blick wie echte Nachrichten aus. Manche Inhalte sind plump gefälscht, andere erst bei näherem Hinsehen als Falschmeldung erkennbar. Deshalb ist es gar nicht so einfach, sie sofort als solche zu erkennen.

Fake News sind kein neues Phänomen

Das Phänomen aktueller Desinformation ist an sich nicht neu – immer schon hat sich Propaganda falscher Tatsachenbehauptungen für ihre Zwecke bedient. Der Aufwand war früher allerdings vergleichsweise hoch und die Verbreitung begrenzt. Nun aber ermöglichen es digitale und hier vor allem die sozialen Medien wie Facebook oder Twitter, falsche Informationen zu aktuellen politischen Themen in kürzester Zeit massenhaft zu verbreiten. Das ist eine völlig neue Qualität. Aktuelle Desinformationen untergraben, so die Befürchtung, die Möglichkeit eines legitimen Meinungs- und Willensbildungsprozesses auf Basis korrekter Informationen. Mehr noch: Der Gesellschaft scheine zunehmend die Fähigkeit abhandenzukommen, sich bei aller Meinungsverschiedenheit wenigstens auf gültige Fakten einigen zu können: Diese Befürchtungen sind nicht unberechtigt, sie haben aber, wie wir gleich zeigen, gar nicht in allererster Linie etwas mit „falsch“ oder „wahr“ zu tun.

Wie verbreiten sich Fake News?

Fake News verbreiten sich vor allem über soziale Medien, wie etwa Instagram, Facebook, YouTube oder Twitter. Indem sie von Menschen geteilt oder geliked werden, verbreiten sie sich rasend schnell. Denn im Gegensatz zu traditionellen Medien gibt es bei Facebook und Co. keine Redaktion, die die Veröffentlichung von Falschmeldungen verhindert.

Was letztendlich in unserem Facebook-News-Feed auftaucht, bestimmt ein ausgeklügelter Algorithmus. Der Algorithmus arbeitet hinter den Kulissen, ordnet alle verfügbaren Beiträge ein und erstellt dann für uns einen persönlichen Newsfeed. Der Newsfeed von Facebook zielt darauf ab, die Storys zu zeigen, die für die Nutzer am relevantesten sind. Wenn wir für uns relevante Inhalte sehen, dann verbringen wir mehr Zeit auf Facebook, besuchen die Plattform häufiger und teilen auch mehr Inhalte.

Die Verbreitung von Fake News geschieht aber nicht ohne Grund. Autoren und Autorinnen von Fake News verfolgen oft politische Ziele. Sie wollen mit den gezielten Falschmeldungen die Meinungen von Menschen beeinflussen und Stimmungsmache betreiben. Fake News haben also Manipulation zum Ziel.

Fake News behandeln oft Themen, die bei Menschen große Gefühle auslösen, wie zum Beispiel Wut oder Angst. Fake News sollen dann vor allem negative Gefühle auslösen und Ängste und Befürchtungen verstärken.

Ein Beispiel hierfür: Anfang Januar 2021 wurde in Bayern die FFP2-Maskenpflicht eingeführt. Sofort kochte die Falschbehauptung hoch, die Frau von Ministerpräsident Söder, Karin Baumüller-Söder, profitiere davon, weil sie mit ihrem Bruder die größte Firma zur Herstellung von Masken in Deutschland betreibe. Die Tatsache, dass das längst widerlegt war, hielt Verschwörungstheoretiker allerdings nicht davon ab, diese Meldung weiter zu verbreiten.

Fake News: Faktencheck

Anderen geht es aber auch darum, möglichst viel Geld mit Fake News zu verdienen. Diese Art von gefälschten Nachrichten machen den Leser oft neugierig und sind spannend geschrieben. Mit jedem Klick auf den Artikel verdienen die Macher Geld. Umso öfter der Artikel angeklickt wird, umso mehr Geld bekommen sie. Deshalb erfinden oder teilen sie Fake News.

Wie erkennst du Fake News?

Jeden Tag erscheinen weltweit Millionen neuer Videos, Artikel und Posts im Internet. Woher soll man wissen: Stimmt das wirklich, was da zu sehen und zu lesen ist? Oder ist alles nur Fake? Wir geben Euch folgende Tipps an die Hand:

Fake News

Hinterfrag die Nachricht kritisch!

Bei Nachrichten mit einfachen Erklärungen und Lösungen für so komplexe Herausforderungen wie z. B. die Corona-Pandemie ist eine gesunde Skepsis angebracht. Falschmeldungen werden von Privatpersonen oft nicht böswillig verbreitet, sondern weil die Menschen sich Sorgen machen. Im Zweifel führen Falschmeldungen dazu, dass Verunsicherung geschürt oder Panik verbreitet wird. Je emotionaler eine Meldung ist, umso häufiger wird sie verbreitet. Umso wichtiger ist es, sich daran nicht zu beteiligen und Ruhe zu bewahren. Besser löschen als weiterverbreiten.

Überprüf die Quelle!

Es hilft immer, fragwürdige Nachrichten mit mind. zwei weiteren Quellen zu vergleichen. Informiere dich beispielsweise bei den offiziellen Portalen von Bund und Ländern sowie bei den Medienangeboten der öffentlich-rechtlichen Nachrichtensender und seriösen Tages- und Wochenzeitungen.

Verifizierte Quellen haben einen blauen Haken

Halte dich in den sozialen Netzwerken an die verifizierten Accounts der offiziellen Stellen und Institutionen (erkennbar an dem blauen Haken) und sieh dir das Impressum einer Webseite an. Es sollte eine für die Webseite-Inhalte verantwortliche Person und eine vollständige Anschrift umfassen, nicht nur zum Beispiel eine anonyme E-Mail-Adresse.

Hinterfrage den Urheber kritisch

Nutze für Infos zu beispielsweise Krankheiten immer unabhängige Seiten und nie die Seite eines Pharmakonzerns. Diese verfolgen das Ziel, ihre Produkte zu vermarkten und richten ihre Kommunikation und dazugehörige Fakten dementsprechend aus.

So kannst du den Ursprung eines Bildes prüfen

Bilder werden manchmal in einem falschen Zusammenhang verbreitet oder absichtlich irreführend inszeniert, um Falschmeldungen oder Unwahrheiten in die Welt zu setzen oder Fakes vermeintlich zu beweisen. Manipulierte Bilder lassen sich mit Hilfe der Bilder-Rückwärtssuche überprüfen: Das Bild oder die URL werden dazu in eine Suchmaschine hochgeladen und du bekommst angezeigt, woher es stammt.

Studien sind nicht immer repräsentativ

Bezieht sich die Meldung auf eine Studie, entsteht schnell der Eindruck eines wissenschaftlichen Beweises. Aber auch hier solltest du folgende Aspekte hinterfragen:

  • Wer hat die Studie erstellt?
  • Wer hat sie finanziert?
  • Wie valide ist das Ergebnis?

Nutze Fakten-Checks!

Einige staatliche und private Organisationen und auch manche öffentlich-rechtlichen Medien beschäftigen sich damit, einzelne Falschmeldungen konkret zu überprüfen und richtigzustellen. Das Thema Corona nimmt dabei immer breiteren Raum ein. Zu den Fakten-Checkern gehören zum Beispiel: der Podcast der Bundeszentrale für politische Bildung zu Verschwörungstheorien, die Kampagne „EU vs. Disinfo“ des Europäischen Auswärtigen Dienstes und „WHO Myth busters“ (engl.), ein Angebot der Weltgesundheitsorganisation.

Facebook arbeitet mit externen Fact-Checkern

Das soziale Netzwerk Facebook überprüft Falschmeldungen, die auf seiner Plattform verbreitet werden, nicht selbst, sondern hat diesen Job bereits vor einiger Zeit an unabhängige Fact-Checker aus aller Welt ausgelagert. Inzwischen sind es laut Facebook mehr als 60 Organisationen, die Inhalte in mehr als 50 Sprachen überprüfen. Für die Faktenprüfung hat Facebook einschlägige Organisationen ausgewählt, die vom International Fact-Checking Network (IFCN) zertifiziert sind. Aus Deutschland zählen CORRECTIV und dpa-Faktencheck zu den IFCN-Mitgliedern.

Bei allen zu bewertenden Inhalten muss der Faktenprüfer folgende Frage beantworten: „Wie zutreffend ist diese Meldung?“ Bei der Faktenprüfung auf Facebook gibt es neun Bewertungsoptionen, die von falsch über teilweise falsch, wahr, falsche Überschrift bis zu Satire und Meinung reichen.

Kommen die Faktenchecker zu dem Schluss, dass ein Inhalt ganz oder teilweise falsch ist, zeigt Facebook den entsprechenden Hinweis direkt unter dem Link zu dem fraglichen Inhalt an. Teilt der Nutzer ihn trotzdem, wird er Inhalt im Newsfeed nur noch eingeschränkt verbreitet. Laut Facebook reduziert sich die Reichweite solcher Posts um 80 Prozent.

Twitter prüft falsche und irreführende Inhalte selbst

Auch Twitter ist daran interessiert, die Verbreitung von falschen oder irreführenden Inhalten einzudämmen und hat dazu im Februar 2020 seine Nutzungsbedingungen aktualisiert. Dazu zählt auch die „Richtlinie zu synthetischen und manipulierten Medien„. Ob ein Tweet und die darin verwendeten Medien gegen diese Richtlinie verstoßen, hängt von drei Kriterien ab:

  1. Technische Manipulation: Hier geht es unter anderem um die Frage, ob Zusammensetzung, Ablauf, zeitliche Abfolge oder Gestaltung eines Inhalts grundlegend verändert wurden, ob visuelle oder akustische Informationen hinzugefügt oder entfernt wurden. Vor allem dieser Passus dürfte auf Deep Fakes abzielen. Neben eigener Technologie setzt Twitter dabei auch auf Meldungen durch nicht näher bestimmte Dritte.
  2. Irreführende Verbreitung: Twitter prüft, ob der Kontext, in dem Medien geteilt werden, zu Verwirrung oder Missverständnissen führen könnte oder darauf schließen lässt, dass Nutzer absichtlich über die Art oder Herkunft des Inhalts getäuscht werden sollen.
  3. Schädliche Auswirkung: Hier wird bewertet, ob Tweets die körperliche Sicherheit einer Person oder Gruppe gefährden, Massengewalt oder Unruhen schüren könnten oder die Meinungsfreiheit einer Person oder Gruppe bedrohen.

Im Gegensatz zu Facebook nimmt Twitter die Bewertung, ob ein Inhalt, der auf der Plattform geteilt wird, falsch oder irreführend ist, selbst vor. Je nachdem, wie diese Prüfung ausfällt, wird ein Tweet als irreführend oder falsch gekennzeichnet und mit Links zu weiterführenden Erklärungen versehen.

WhatsApp hat neuerdings die Funktion der Weiterleitung eingeschränkt

WhatsApp Nachrichten, die bereits fünfmal weitergeleitet wurden, können nur noch an eine einzelne Person, nicht mehr an mehrere weitergeschickt werden. Das soll die flutwellenartigen Gerüchte und Verschwörungstheorien eindämmen, die in der Chat-App immer wieder verbreitet werden.

Weitere Fakten-Checker

Folgende Seiten können dir außerdem beim Fake-News-Check behilflich sein:

  • CORRECTIV ist ein Recherchezentrum in Deutschland. Als vielfach ausgezeichnetes Medium steht CORRECTIV für investigativen Journalismus. Das Motto der Checker von CORRECTIV lautet: „Fakten für die Demokratie“. Der CORRECTIV.Faktencheck (https://correctiv.org/faktencheck/) deckt tagtäglich Falschinformationen, Gerüchte und Halbwahrheiten auf.
  • Die Website Hoaxmap (www.hoaxmap.org) listet Gerüchte auf, die als Fake News entlarvt worden sind. Falschmeldungen sind nach Bundesländern aufgeführt, du kannst auch nach Schlagworten suchen.
  • Der Faktenfinder der ARD-Tagesschau (http://faktenfinder.tagesschau.de) hat es sich zur Aufgabe gemacht, Fakten und Hintergründe zu umstrittenen Gerüchten zu liefern. Hier wird etwa die Behauptung, die Nationalsozialisten hätten den Muttertag erfunden, genauso erläutert wie der richtige Umgang mit Statistiken.
  • Hinter First Draft News (https://de.firstdraftnews.com/) steht die gemeinnützige Vereinigung First Draft. Hier finden sich in mehreren Sprachen Hinweise zum Umgang mit zweifelhaften News, Bildern und Videos, die in sozialen Netzwerken verbreitet werden. Der Fokus hier liegt auf internationalen Meldungen.
  • Die im Auftrag der EU-Kommission eingerichtete Website Klicksafe (www.klicksafe.de) bietet Beratung und Hintergrundinformationen für Jugendliche, Eltern und Lehrer zum sicheren Umgang mit den neuen Medien.
  • Die österreichische Website Mimikama (www.mimikama.at) ist eine Plattform, die User-Hinweisen auf Fake News nachgeht und diese überprüft. Sie hat auch eine Suchfunktion, Hoaxsearch, mit der du gezielt nach Schlagworten suchen kannst.

Dieser Beitrag wird mit einem zweiten Teil bald fortgeführt. Dann klären wir euch auf, warum Trust in den jetzigen Zeiten essenziell ist und wie der EAT-Standard dazu beiträgt, Desinformationen und Fake News einzudämmen.

Claudia Hoffmann

Claudia hat nicht nur alle Geburtstage im Kopf, sondern auch die besten Geschenkideen. Die Kombination aus Daten und Kreativität spiegelt sich in ihrer Arbeit als Analystin wider. Wie sie täglich mit Big Data umgeht und dabei Trends aufspürt, verrät sie euch im Blog.

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