Dass Fußball ein soziales Phänomen ist, ist klar. Doch bei dieser WM spielte erstmals Big Data eine immense Rolle. Wir haben die Ereignisse im Social Web für euch analysiert.

Ohne Frage: Was die deutsche Fußballnationalmannschaft am Sonntagabend in Rio geleistet hat, ist unbeschreiblich und außergewöhnlich. Kein Wunder, dass dieses Spiel sowie die ganze WM auch im Social Web alle Rekorde geknackt haben. Glaubt man den Zahlen von Facebook Sports, so erzielte allein das Finalspiel auf Facebook 280 Millionen Interaktionen von 88 Millionen Menschen. Im gesamten WM-Zeitraum entstanden dabei 3 Milliarden Interaktionen von 350 Millionen Personen. Der „most social moment“ war erwartungsgemäß der Moment, als der Schlusspfiff ertönte und feststand, dass Deutschland zum vierten Mal Weltmeister wurde.

Im Rahmen der WM hat Facebook auch einige offizielle Themenseiten erstellt, die uns jedoch wenig beeindrucken. Die Worldcup-Seite zeigt nahezu lieblos Beiträge, welche mit Hashtags wie #Worldcup2014 versehen wurden. Eine übersichtliche und nützliche Darstellung sieht anders aus. Auch die Grafik welche die Herkunft der Facebook-Fans der Top10-Spieler zeigt, ist zwar nett anzuschauen, aber nach wenigen Minuten mangels Interaktionsmöglichkeiten unspannend. Die interessanteste Auswertung ist aus unserer Sicht das Support Flow Chart bei dem man sich anschauen kann, aus welchen Ländern die Unterstützung für die unterschiedlichsten Mannschaften kam und wie sich diese im Laufe des Turniers, insbesondere durch das Ausscheiden der eigenen Favoriten, verändert hat.

Support Flow Chart

Beeindruckt sind wir auch von Zahlen, die belegen, welche Macht und Dynamik das Social Web aufweist. So hat beispielsweise die Fanpage von Manuel Neuer seit Sonntagabend 1,3 Millionen neue Facebook-Fans erreicht (jetzt: über 5,7 Millionen Fans). Auch die Fanpages der anderen Spieler, wie beispielsweise von Bastian Schweinsteiger, verzeichnen ähnlich starke Zuwächse. Besonders faszinierend dabei ist, dass er nun sehr viele Fans aus Brasilien dazubekommen hat. Trotz des (oder gerade durch den) 7:1 Sieg gegen die Gastgeber scheinen sich die Deutschen viele Sympathien in Südamerika erarbeitet zu haben.

Bastian Schweinsteiger

Bildquelle: Screenshot Facebook

Doch entgegen dieser beeindruckenden Zahlen stellen wir fest, dass Facebook immer noch kein Second Screen Medium geworden ist. Allfacebook.de hat dies vor kurzem sehr anschaulich analysiert. Snickers hatte nach der Attacke von Luis Suarez das gleiche Bild auf Facebook und auf Twitter geteilt. Die Resonanz war extrem unterschiedlich. So erreichte Snickers bei 11 Millionen Facebook-Fans nur 4.000 Likes und 1.300 Shares. Auf Twitter wurden im gleichen Zeitraum bei gerade einmal 54.000 Followern 19.000 Favs und 44.000 ReTweets erzielt.

Insgesamt wurden bei der WM 672 Millionen Tweets mit dem Hashtag #WorldCup getwittert. Dies sind zwar im absoluten Vergleich mit Facebook weniger Beiträge, doch muss man dies relativ betrachten. Twitter hat weltweit „nur“ 255 Millionen aktive Nutzer, Facebook hingegen 1,2 Milliarden. Twitter profitiert immer noch davon, dass es sich über Jahre hinweg als Second Screen Medium etabliert hat. Nutzer kennen das Prinzip der Hashtags und profitieren von einem schnellen, funktionierenden Newsfeed ohne Filterbubble – was man von Facebook nicht behaupten kann. Bei Twitter stehen immer noch die Themen im Vordergrund und nicht wie bei Facebook die Vernetzung mit Freunden.

Auf den ersten Blick überraschend, aber dann doch nachvollziehbar, ist, dass die meisten Tweets beim Spiel Brasilien – Deutschland veröffentlicht wurden (35,6 Millionen), das Finale kommt nur auf 32,1 Millionen Beiträge. Klar, 8 Tore bieten weit mehr Kommunikationsanlässe als nur 1 Tor ;-). Dennoch, der Moment an dem am häufigsten getwittert wurde, war – wie auch schon bei Facebook – der Abschlusspfiff des Finalspiels mit 618.725 Tweets pro Minute – neuer Twitter-Rekord!

Tweets pro Minute

Bildquelle: http://www.zeit.de/sport/wm-spielplan-twitter-pulskurve-spielzusammenfassung

Aus Analyse-Sicht hat uns die ganze WM über fasziniert, welche Rolle Big Data heute spielt und was man alles aus aggregierten Daten aufbereiten kann. So haben sich beispielsweise die Berliner Wasserbetriebe über ihre „Spülanalyse“ ins Gespräch gebracht.

Spülanalyse

Wir denken, dass das sinnvolle Aggregieren und Visualisieren von Daten in Zukunft eine immer stärkere Rolle spielen wird. Semantik wird dabei unumgänglich sein.

Daniela Kloth

Sie organisiert nicht nur unsere Firmenfeiern, als Head of Marketing verfügt Daniela über ein umfangreiches Know-how im Onlinemarketing. Im Blog wird Dani ihr Expertenwissen mit uns teilen und nimmt uns mit hinter die Kulissen bei semcona.

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