Seite auswählen

Und für den, der’s mir immer noch nicht glaubt: GDPR!

Die European Identity and Cloud Conference (EIC) von KuppingerCole in Unterschleißheim stand dieses Jahr voll unter der GDPR-Wolke. Dazu gab es eine gehörige Portion KYC (Know Your Customer). Eigentlich zwei Themen, die nicht natürlich miteinander in Einklang zu bringen sind und daher mit allen Betroffenen angegangen werden müssen. Allen. Nicht nur mit denen, die im Schadensfall den Besen schwingen müssen.

GDPR kommt! Doch wer ist vorbereitet?

Wegschauen hilft nicht. Wegducken hilft auch nicht und sich das Thema schön zu reden, hilft erst recht nicht. GDPR („General Data Protection Regulation“) wird kommen. Eigentlich ist es schon da. Zumindest die Version zum Üben. Am 25.5.2018 ist D-Day. Ab dann wird es weh tun. Punkt.

Warum werde ich langsam sauer?

Eigentlich war die digitale Welt besonders für Werbetreibende zumindest in Deutschland bis dato ein wahres Wolkenkuckucksheim. Irgendwie hat es zumindest der deutsche Gesetzgeber geschafft, ohne Blessuren an der Umsetzung des „Cookie Laws“ in nationales Recht vorbei zu rudern. Und mit Günther Oettinger saß ein Digitalkommissar in Brüssel, der so analog war, dass für ihn babylonische Keilschrift bereits digitales Hexenwerk darstellte. Da wächst natürlich die Hoffnung, dass andere, „geschäftsschädigende“ Regularien nach dem Motto „Abwarten und Tee trinken“ ebenso auf wundersame Weise verschwänden. Es ist ja auch besonders gemein, nach Jahren des unreflektierten und hemmungslosen Datensammelns plötzlich mit Verbraucherschutz konfrontiert zu werden. Da geht plötzlich mal eine ganze Branche „kaputt“. Plötzlich? Genau so plötzlich wie der Wintereinbruch im Dezember!

GDPR und Datenschutz: Wer hört auf die IT und die Datenschutzbeauftragten?

Jetzt passiert es also wirklich und nur die Fachleute wollen es wahrhaben. Also nicht die Werbetreibenden und Datensammler, sondern die, die sich beruflich mit Datenschutz auseinandersetzen müssen: Die Datenschutzbeauftragten von Firmen. Die CISOs. Die CIOs. Verantwortliche für IT. Also Leute, die Ahnung haben und die aus diesem Grunde irgendwie nie gemocht werden und wurden. Weil sie die „Kreativabteilungen“ ununterbrochen in ihrem Tatendrang eingebremst haben und das immer noch tun. Damit macht man sich wahrlich unbeliebt. Ich kann ein Lied davon singen. Seit 17 Jahren laufe ich unter „Spaßbremse“, „Doomsayer“ oder „Spielverderber“. „Jürgen, übertreibe nicht! Wird alles nur halb so heiß gegessen wie gekocht!“

Wie viele Besucher aus dem „Business“ habe ich auf der Veranstaltung gesehen? Also Verantwortliche aus den Abteilungen und von solchen Firmen, die sich z. B. mit Kundendaten, Finanzdaten, Gesundheitsdaten, Geodaten, Verhaltensdaten, Metadaten etc. auseinandersetzen müssen oder deren Geschäftsmodelle respektive Provisionsmodelle schlicht darauf beruhen, alles und noch etwas mehr über Ihre Kunden oder über solche, die das noch werden sollen, zu wissen? Marketing? Online? Vertrieb? Überschaubar wäre eine maßlose Übertreibung. Solange man noch hoffen kann, „dass schon alles nicht so schlimm werden wird“, muss man sich das auch nicht antun. E-Privacy? Die Konsumenten werden schon auf „OK“ klicken. Löschungsanträge? Auskunftsanträge? Psst. Nicht so laut, damit sich das nicht rumspricht! Machen Sie sich doch mal den Spaß, auf „OK“ zu klicken und beim Werbetreibenden danach die Löschung der Daten zu verlangen. Rechtsverbindlich. Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

Eine kleine Freude hatte ich am ersten Tag dann doch noch. Als ein lieber Kollege aus einer GDPR Session kam und mir mit wolkenverhangenem Gesicht gestand: „Jürgen, jetzt glaube ich Dir auch.“. Danke! Fast 8 Jahre Überzeugungsarbeit mit glücklichem Ende… (-;

Know your Customer – Mit GDPR vereinbar?

Und jetzt also KYC. Eigentlich eine feine Sache, da diese Abkürzung ursprünglich für Erkennung und Abwehr von Betrug stand und das besonders in der Finanzwelt. Je weniger Betrug, desto weniger Schaden und damit weniger Kosten, die auf die Allgemeinheit umgelegt werden müssen. Dafür braucht man aber wieder, Sie werden es erraten: Daten. Reimt sich und stimmt. Wenn man die Daten ja eh’ schon zur Gefahrenabwehr im Rechenzentrum hat, stellt sich die Frage fast schon automatisch: Was kann man denn sonst noch so alles damit anstellen? Welche Businessmodelle lassen sich damit verwirklichen? Schon ist der Himmel blau und rosa Wölkchen fliegen. Genau so lange, bis… Sie haben es erraten… GDPR dazwischen donnert. Die Herausforderung also ist, sich mit allen Modellen sowohl im Risikomanagement als auch bei innovativen Monetarisierungsmodellen auf rechtlich griffigem Grund zu bewegen.

Know your Customer – Deep Level Customer Insight with Smart Data Analytics

Die Keynote „Know your Customer – Deep Level Customer Insight with Smart Data Analytics” unseres Partners Prof. Dr. Heiko Beier, Geschäftsführer der MORESOPHY GmbH in München, knüpft genau an dieser Stelle an. Einen Vortrag über Identitäts-freies Identitymanagement hat es vermutlich in der Form auch noch nicht gegeben.


Den Kunden, seine Gefühle und seine Motivationen zu kennen ohne ihn zu erkennen ist wahrlich disruptiv und führt all das ad absurdum, was, insbesondere in der Online-Marketingwelt, bis dato Stand der Erkenntnis war und ist: Man muss den Kunden melken, um ihn zu verstehen. Warum erinnert mich das an die Rapa Nui? Irgendwann hat es sich einfach ausgemolken: Die Backen fallen ein und die Kuh fällt um. Die Rapa Nui hatten ihre kleine Insel solange strapaziert, bis es nicht mehr genügend Ressourcen für die Einwohner gab. Obwohl diese sich zuvor noch im Streit über das Wenige erfolgreich dezimiert hatten. Eine schöne Parabel.