Die digitale Gratwanderung zwischen Datenvernetzung und Menschsein erleben wir täglich. Der Fitness-Tracker sagt dir, wann du dich bewegen sollst. Dein Geschäftspartner nimmt mitten im Gespräch ein Telefonat an. Das beeinträchtigt die allgemein positive Wahrnehmung der Digitalisierung.

Sind analoge Prozesse und Unternehmen Verlierer?

Die Digitalisierung mag viel Positives haben. Doch nicht alle analogen Prozesse und Unternehmen profitieren gleichermaßen vom digitalen Wandel. Einige Traditionen oder Unternehmensphilosophien lassen sich nun einmal nicht digitalisieren. Beispielsweise benötigt der Bäcker im Dorf nicht zwangsweise Social Media Kanäle oder einen Online-Shop. Der Pfarrer liest den Psalm wohl auch nicht vom E-Book oder Smartphone ab. Auch der Arzt kann deinen Bauch nicht mit einer App abtasten. Daher werden wir – glücklicherweise – auch weiterhin analog arbeiten und leben.

Zudem zeigt die Entwicklung, dass uns unsere Individualität wichtig ist. Nicht zuletzt schützen wir unsere personenbezogenen Daten und debattieren über Gesichtserkennung. Diese zwar kontroverse, aber, wie ich finde, gesunde Haltung findet sich auch in der deutschen Wirtschaft, in deutschen Unternehmen.

Wie viel Digitalisierung ist für ein Unternehmen sinnvoll?

Bei der Digitalisierung ist es wie mit dem Leben: Ausgewogenheit ist das Maß der Dinge. Daher ist wohl das größte Problem für dich als Unternehmer, Pro und Contra sowie den Umfang für deine digitale Zukunft zu analysieren. Dieser reicht von einer Einführung einer neuen Software, der Entwicklung einer App oder eines Online Shops bis hin zu einer neuen Technologie im Produktionsprozess oder zu einem komplett digitalen Geschäftsmodell.

Dabei arbeitest du am besten zielgruppenspezifisch, denn gerade im Bereich Bildung und Gesundheit wollen wir auch weiterhin persönliche Beratung. Beachte bei der Digitalisierung deines Unternehmens, deiner Verantwortung für die Gesellschaft gerecht zu werden. Bist du dir über die Ausmaße und Auswirkungen des Themas Digitalisierung bewusst? Ob nun im Business oder privat?

Ausmaße und Auswirkungen der Digitalisierung

Die Geschwindigkeit, mit welcher sich der technologische Wandel in einer globalisierten Welt vollzieht, ist Herausforderung und Problem zugleich. Natürlich unterlag die Menschheit schon immer dem Wandel. Früher war es die Industrialisierung, der Strom oder der Fernseher. Dabei konnte sich der Mensch mit Neugierde auf neue Ideen und Technologie einstellen. Der rasante Wandel im Bereich Künstlicher Intelligenz stellt die Menschen aber vor eine Herausforderung. Kommt der Mensch da noch mit? Zudem beherrscht den Mitarbeiter die Angst vor Digitaler Disruption. Er befürchtet auch, dass Maschinen die Kontrolle übernehmen und ihn ersetzen. Aufgrund dieser Schnelllebigkeit und Ängste führt die digitale Transformation oft zu Krankschreibungen oder gar Burn-out.

Gleichzeitig lieben vor allem Menschen jungen und mittleren Alters (Generation X, Y und Z) schnelle und einfache Kommunikation, allgegenwärtige Informationsverfügbarkeit und absolute Mobilität. Vor nicht allzu langer Zeit begnügte sich die Generation X mit einer E-Mail-Adresse. Doch heute bewegen sich Generation Y und Z in einem Dschungel aus Facebook, Instagram, TikTok & Co, um mit der Community zu kommunizieren. Mit Handy und Smartwatch wollen sie always on sein. Das spiegelt sich auch in den Verkaufszahlen von Apple deutlich wider. 2019 verkaufte das Unternehmen erstmals mehr Uhren als die gesamte Schweizer Uhrenindustrie. Daher ist die Angst, dass digitale Innovationen bestehende Dienstleistungen, Geschäftsmodelle und traditionelle Produkte ablösen und gar verdrängen, durchaus ein Thema. Was treibt uns an? Schneller, höher, weiter? Müssen der Digitalisierung Grenzen gesetzt werden?

Grenzen der Digitalisierung

Einerseits ist die Digitalisierung nicht aufzuhalten. Andererseits sollten wir uns alle gerade im Zeitalter von Hackerattacken, Trollen, Fake-Bewertungen, Cyber-Mobbing und Hass-Tweets zu mehr Verantwortung verpflichtet fühlen. Geh als Manager deiner Firma mit bestem Beispiel voran. Sei menschlich und arbeite in dem Bewusstsein, dass dein Handeln Konsequenzen für die Gesellschaft, deine Mitarbeiter und Kunden hat. So löst du Konflikte und stärkst deine Reputation, die gerade in Zeiten von Fachkräftemangel äußerst wichtig für dein Unternehmen sein kann. Die Anhänger der „Fridays for Future“ Bewegung zeigen längst nicht nur den Nachholbedarf in Sachen Klimapolitik auf. Sie rufen auch nach mehr sozialer Verantwortung.

Neben der moralischen Verpflichtung gibt es wirtschaftliche Herausforderungen für Unternehmen. Denn trotz aller Effizienz verbrauchen Server, Technik und Geräte unvorstellbar viel Energie. Mit ihren Sensoren sind diese ständig online. Neue Technologie hat zwei Seiten. Beispielsweise verursacht der Abbau von Lithium für die Batterien umweltfreundlicher Elektroautos dramatische Umweltschäden. Dabei muss die Frage nach der Entsorgung dieser Lithium-Batterien und Altgeräten Beachtung finden. Von der Kinderarbeit in den Minen mal ganz abgesehen. Dabei sind Elektroautos nur ein Beispiel. Sind wir uns bei allem Fortschritt der Folgen für unseren Planeten und für uns Menschen bewusst? Die Digitale Nachhaltigkeit liegt in der Verantwortung der neuen Generation.

Wie gesund ist das digitale Leben?

Befinden wir uns nicht in einem Zwiespalt zwischen Work-Life-Balance dank Homeoffice und höherem Druck andererseits? Wirkt sich das Arbeiten an digitalen Geräten nicht schlicht auf unsere Gesundheit aus? Durch den ständigen Blick auf Bildschirme kommt es zu Haltungsschäden und Kurzsichtigkeit. Die Verwendung von Kopfhörern führt zu Hörverlust. Die fehlende direkte Interaktion mit Menschen resultiert in mangelnder Sozialkompetenz und Veränderung des Selbstbildes. Wollen wir uns nur noch auf Daten, Likes und Algorithmen reduzieren?

Grenzen der Menschen führen zum digitalen Geschäftsmodell

Trotz allem birgt der digitale Wandel auch enorme Chancen. Vor allem der Dienstleistungsbereich eruiert die verstärkte Nutzung von moderner Technologie. Denn in der Pflege fehlt das Fachpersonal, in Schulen überwiegen die Fehlstunden und in den wenigen Arztpraxen verdreifacht sich die Wartezeit. In diesen Bereichen ist technologischer Wandel Thema und trägt ein großes Potenzial in sich. Beispielsweise könnte in Alten- und Pflegeheimen das Personal beim Heben der Patienten durch Roboter entlastet werden. Andererseits könnten Lehrerfehlstunden durch digitale Werkzeuge ausgeglichen werden. Wie das geht, lehrt uns ungewollt die Corona Krise, welche endlich die Digitalisierung vorantreibt. Bereits die Hälfte der Arztpraxen profitiert von digitalen Schnittstellen und Patientenmanagement. Dieses Potenzial neuer Technologien und einer digitalen Strategie gilt es zügig an den Stellen auszubauen, wo der Mensch an seine Grenzen stößt.

Digitalisierung: Untergang oder Rettung?

Digitalisierung ist komplex, aber ohne den realen Menschen, existierende Unternehmen und Infrastruktur würde es sie nicht geben. Es gibt schließlich noch keine App, die den Erfolg in der Beziehung bzw. im Job garantiert oder deine Unternehmensstrategie bestimmt. Was nützt dem Bäcker ein Webshop, wenn der Kunde harte Brötchen bekommt? Nicht alle Probleme lassen sich digital lösen.

Künstliche Intelligenz und digitale Infrastruktur sollten nützlich für den Menschen sein. Im Zeitalter von Big Data und Machine Learning wird Künstliche Intelligenz auch in Zukunft nicht den Geruch nach frischen Brötchen oder das tröstliche Gefühl eines Vieraugengespräches mit der Freundin ersetzen. Nutze deinen gesunden Menschenverstand und behalte so die Kontrolle in der digitalen Welt. Es geht um dich, deine Mitarbeiter, Kunden und deine Unternehmensphilosophie.

Anja Kloß

Als Projektmanagerin behält Anja den Überblick, von der Ressourcenplanung bis zur Fristeinhaltung. Aus international tätigen Unternehmen kommend, kennt sie vor allem die Kundenseite. Wichtig ist ihr eine offene und transparente Kommunikation zum Kunden und im Team.

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