Wird die Welt nach Corona wieder wie vorher sein? Birgt der Virus nicht sogar die Chance für eine bessere Zukunft? Was kommt nach COVID-19 und wird unsere Geduld dann auch belohnt werden? Karl-Heinz Land, Redner, Buchautor und Investor, hat seine Gedanken zum Krisenszenario und den Chancen danach einmal niedergeschrieben. Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos.

Steht Verhältnis von Wirtschaft und Ökosystem in Frage?

Der Klimawandel und Greta sind fast vergessen. Was der Klimawandel in seiner existenziellen Bedrohung der Menschheit bisher nicht geschafft hat, erreicht das Coronavirus nun innerhalb weniger Tage und Wochen. Es hat unser Verhalten grundlegend verändert. Die globale Wirtschaft steht fast still. Ausgehverbote schränken ein, wir reisen und fliegen nicht mehr. Bei vielen Menschen macht sich die Angst breit. Jetzt ändern wir Dinge, die vorher unmöglich schienen.

Die gute Nachricht: Die Luft über China war seit Jahren nicht mehr so gut wie jetzt, da die Fabriken und das öffentliche Leben und die Produktion stillstehen. Damit bliebe auch die Hoffnung, dass die Corona-Krise nicht als Katastrophe oder Vernichtung verstanden wird, sondern als wichtiger Wendepunkt in unserer Ökonomie, Ökologie und unserer Gesellschaft. Es hört sich verwirrend an, aber insbesondere das Ökosystem profitiert von der Krise. Das Leben auf dem Planeten legt eine Pause ein. Treibhausgase und Kohlendioxid verschwinden aus der Luft. Unsere ökologisch sensible Erde darf sich erholen. Das Coronavirus und seine Folgen können unser Verhältnis zum Klimaschutz ändern, indem wir zukünftig bewusster mit unserer Umwelt umgehen.

Coronavirus legt Grenzen der Globalisierung frei

Ja, es ist zu vermuten, dass die Welt nach Corona eine andere sein wird. Sind die Corona-Krise und der Klimawandel auch eine Chance für uns Menschen? Wie sieht unsere Welt vielleicht nach der Krise aus?

Richtig ist in jedem Fall: Es geht jetzt darum, unsere Zukunft zu gestalten. Jeder Einzelne entscheidet jetzt für sich, was ihm wirklich wichtig ist.  Jetzt haben wir die Zeit, viele Aspekte in der Gesellschaft neu zu denken.

Klar scheint schon jetzt: Unsere Kultur, unsere Kommunikation, unsere Werte, die Bildung, Politik und Wirtschaft – alles wird anders sein.

Der reine „Effizienz-Glaube“ scheint schon länger zu wackeln. Angefangen beim Klimawandel, gestützt durch Gesichter wie die junge Greta Thunberg, und weiter in einer überdrehten „Burnout-Gesellschaft“, in der es zuletzt vorgeblich nur noch um „höher, schneller, weiter und größer“ ging.

Erfahren wir jetzt durch das Coronavirus die Grenzen der Globalisierung?

  • Es fehlen Medikamente und Schutzmasken, weil wir ihre Produktion nach Asien verlagert haben, um ein paar Cent pro Maske und Medikament zu sparen.
  • Eine deutsche Kartoffel wird mit dem Lkw zum Schälen nach Holland gefahren, um dann in Bayern gekocht und frittiert zu werden. Von dort wird sie schließlich in ganz Deutschland in den Handel verteilt.
  • Autos können nicht mehr produziert werden, weil wichtige Teile aus weit entfernten Ländern fehlen und bei uns die Fließbänder stillstehen.

Schlagartig können wir auf Reisen verzichten, um für jedes Meeting durch die Welt zu fliegen. Videokonferenzen und Konferenz-Telefonate machen es möglich. Unterricht findet auf einmal Zuhause statt. Hausaufgaben kommen per E-Mail.

Digitalisierung hilft uns in Krisenzeiten

Sind technologischer Fortschritt, Digitalisierung und das Internet eine große Chance in der Corona-Krise? Das Telefon erfährt eine Renaissance. Es darf wieder lange und ausführlich telefoniert werden.

Auf einmal wird verstanden, dass Arbeiten von Zuhause eine Alternative zur Arbeit im Büro ist. Auf einmal zahlen wir vermehrt mit unserer EC- oder Kreditkarte – oder wie selbstverständlich bereits mit dem Handy. Jetzt rächt sich natürlich, dass der Ausbau unseres Mobilfunk- und Glasfasernetzes bisher keine besonders hohe Priorität besaß. Es fehlte in der Vergangenheit das Verständnis für die Bedeutung des Internets, das die Infrastruktur unseres zukünftigen Wohlstandes bildet. So wie das in der Vergangenheit die Straßen, Flüsse, Schienen und Flughäfen getan haben.

Die Digitalisierung könnte aber auch das Werkzeug und der Hebel zu mehr Nachhaltigkeit für uns alle sein: Plattformen werden uns helfen, Dinge zu teilen statt zu besitzen. Car-Sharing gewinnt statt dem eigenen Auto eine größere Relevanz. Künstliche Intelligenz wird dabei helfen, unsere Städte in Smart Cities zu verwandeln, die 70-90 Prozent weniger Verkehr und Feinstaub produzieren sowie weniger Energie verbrauchen werden.

Wenn wir das Bahn- oder Flugticket nicht mehr ausdrucken, sondern nur noch als QR-Code auf unserem Handy haben, brauchen wir weder den Drucker noch die Energie und das Papier für ein Ticket.

Eine Video-Konferenz macht die Flug- oder Bahnfahrt zum Meeting überflüssig. Verhaltensänderungen führen zu einem geringeren Verbrauch von Rohstoffen, senken den Energiebedarf, und mindern die Umweltbelastung. Wenn wir Digitalisierung und den technologischen Fortschritt zu Ende denken, könnten wir auch die Thematik des Klimawandels, der Ressourcenknappheit und der zunehmenden Umweltzerstörung mit neuem Denken in den Griff bekommen.

Ein gemeinsames Miteinander stärkt unsere Gesellschaft

Jetzt wäre die Zeit, auch andere Dinge neu zu denken. Zum Beispiel das bedingungslose Grundeinkommen. Es könnte den fünf Millionen Solobeschäftigten in Deutschland helfen, über die nächsten sechs bis zwölf Monate mit extremem Einkommensausfall hinwegzukommen, ohne ständig an die Miete oder den Einkauf von Morgen denken zu müssen. Die Initiative #WirBleibenZuhause zeigt, wie wir alle solidarisch handeln können für die, welche besonders gefährdet sind. In Italien singen Menschen von den Balkonen und in Köln klatschen Bürger aus Solidarität für alle, die nicht zu Hause bleiben können. Wir klatschen für die Beschäftigten im Krankenhaus, in der Pflege, im Supermarkt, in der Logistik und im öffentlichen Personenverkehr sowie für die Frauen und Männer bei der Polizei und der Feuerwehr.

Es zeigt sich eine neue Form von Respekt, Anteilnahme, Empathie und Solidarität. Es scheint, als könnten wir gerade jetzt in der Krise so wichtige Eigenschaften wie Freundlichkeit, Mitgefühl, Improvisationstalent, Humor, Zuversicht, und Mut gut gebrauchen. Das gilt vor allem für die freundliche Verkäuferin beim Lebensmittelhändler, die das Regal mit Toilettenpapier und Nudeln zum zehnten Mal an diesem Tag geduldig auffüllt. Aber auch für die kreativen Programmierer und Programmiererinnen, die beim Hackathon der Bundesregierung neue Techniken und Services entwickeln, um das Leben in der Krise erträglicher zu machen.

Bleiben Sie gesund, bewahren Sie den Blick für Positives. Jeder Einzelne von uns entscheidet nun, wohin die „Reise“ geht. Solidarität wird vermutlich einer der wichtigsten Werte sein in der nahen und fernen Zukunft. Für uns alle.

Karl-Heinz Land

Karl-Heinz Land (57) ist Insider der digitalen Transformation. Mit neuland hat er 2014 eine Digital und Strategieberatung ins Leben gerufen, die laut Ranking der Zeitschrift „brandeins“ wiederholt zu den besten Deutschlands zählt. Bei den RelevanzMachern schreibt der Digital Evangelist als Gastautor über die Digitalisierung und die digitale Zukunft.

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